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Strategie
10/09/2018

Mit Digitalisierung die Weichen zur Effizienzsteigerung gestellt

Axel Schuppe über Trendthemen, Perspektiven und Ziele im Bahnbereich

Die Potenziale und Herausforderungen von Trendthemen wie etwa Digitalisierung, Automatisierung und Lifecycle Services werden branchenübergreifend diskutiert und machen auch vor der Bahnindustrie nicht Halt. tec.news sprach in diesem Zusammenhang mit Axel Schuppe, Geschäftsführer des VDB (Verband der Bahnindustrie in Deutschland) über Entwicklungen, Perspektiven und Ziele für den deutschen Raum.

Dipl.-Ing. Axel Schuppe

Zur Person: Dipl.-Ing. Axel Schuppe, 1963 in Berlin geboren, absolvierte sein Studium der Elektro- und Informationstechnik an der TU Chemnitz. Bevor eram 1. April 2005 Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V. wurde, führte ihn sein beruflicherWeg zu den Unternehmen AEG-Westinghouse, Adtranz und Bombardier Transportation.

tec.news: Vorausschauende Wartung oder etwa die Identifizierung von Zustandskennwerten – Service-Funktionen im Bahnbereich sind nichts Neues. Ist auch hier im Zeitalter von Industrie 4.0 ein technologischer Wandel zu beobachten?

A.Schuppe:

Das ist richtig, derlei Lifecycle Services und Service-Orientierung sind für die Bahn schon lange relevant und an den Lebenszyklus der Technik gekoppelt. Schon mit der Entwicklung der ersten Generation an ICEs spielte in unserem Segment das Sammeln und Auslesen von Daten eine große Rolle –mithilfe von proprietären Technologien. Jetzt, im Zeitalter des IoT, ist IT Standard-Technologie verfügbar, die einfacher und um Größenordnungen leistungsfähiger ist. Dies hat viele Vorteile. Wir bewegen uns allerdings in einem eher sensiblen Umfeld, bei dem die Sicherheit von IT Lösungen oberste Priorität hat – und somit für uns ebenfalls eine Herausforderung darstellt.

Schon mit der Entwicklung der ersten ICE Generation spielte das Sammeln und Auslesen von Daten eine große Rolle.

Dipl.-Ing. Axel Schuppe, Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V.

tec.news: Digitalisierung und die damit verbundenen Paradigmen sind momentan allgegenwärtig. Welche Sichtweisen gibt es in der Bahnindustrie? Wie ist der aktuelle Stand und wie sehen Sie die Entwicklung?

A.Schuppe:

Erste Schritte in diese Richtung sehen wir in den Fällen, in denen Verfügbarkeit eine verkaufte Leistung der Bahnindustrie ist. Diese, in England bereits übliche Weise des Zugbetriebs, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Als Paradebeispiel bei uns ist der Rhein-Ruhr-Express zu nennen: Der vom Verkehrsverbund ausgeschriebene Wartungsvertrag umfasst das Incentive „Verfügbarkeitsgarantie“ der Züge. Das Geschäftsmodell beinhaltet also das Zur-Verfügung-stellen einer garantierten Leistung, jederzeit funktionsfähiger Züge. Dieser Punkt hat in Sachen Digitalisierung Innovationskräfte freigesetzt. Ein „digitaler Zwilling“ des Zuges, ein digitales Abbild, parallel zum dem realen Zug auf der Schiene weiß jederzeit über den Zustand Bescheid, so dass notwendig werdende Wartungsarbeiten oder Reparaturen optimal und quasi vom Zugbetreiber „unbemerkt“ eingetaktet werden können.

tec.news: Eisenbahn ist ein System, das – vereinfacht gesagt – aus Fahrzeug und Infrastruktur besteht. Wie sieht es wiederum mit der Digitalisierung der Infrastruktur aus?

A.Schuppe:

Dies ist tatsächlich eine besondere Herausforderung, der wir uns stellen müssen und bei heute der vor allem noch politische Überzeugungsarbeit gefragt ist. Unsere Schienenfahrzeuge in Deutschland sind größtenteils innovativer als die Infrastruktur, auf der sie betrieben werden. Infrastruktur wird staatlich finanziert. Digitalisierung kostet Geld und bringt aber riesige volkswirtschaftliche Effekte. Wichtig ist hier, Finanzierungsinstrumente und ein gesetzliches Rahmenwerk weiterzuentwickeln, um einen technologischen Hub zu machen. Doch diese Vorlaufzeiten von Verordnungs- und Gesetzesänderungen sind enorm. Fest steht, dass hier ein großes Potenzial an Effizienzsteigerung vorhanden ist. Dennoch gibt es sehr positive Beispiele: Etwa die U-Bahn-Linie 3 in Nürnberg, die vollautomatisch fährt, auch im Mischbetrieb. Hier hat man in eine bestehende Infrastruktur ein System implementiert, das normalen Fahrbetrieb und vollautomatischen Betrieb erlaubt. Ebenso auch die Ende letzten Jahres in Betrieb genommene Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin – München, auf der die Züge mit dem modernen ETCS Leitsystem quasi automatisch ohne Signale an der Strecke verkehren können.

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